FRAUEN WALD Sommerausflug am 2. Juli 2026 nach Althenrhein und Rorschach

Reisebericht von Elisabeth Gubelmann

Bei strahlendem Sonnenschein trafen sich rund 30 Frauen am frühen Morgen am Walder Bahnhof. Ihr Ziel: Altenrhein. Nach zweimaligem Umsteigen, im Zug nach Rorschach, machte sich langsam Geplauder breit und die Erwartung stieg. Nur wenige Reise-Teilnehmerinnen hatten je davon gehört, dass das einzige Hundertwasser Gebäude in der Schweiz weniger als 100km von ihnen entfernt liegt, die „Markthalle“ mitten im Industriegebiet von Altenrhein. In Rorschach noch ein letztes Mal umsteigen und nach 10 Minuten Fahrt sahen wir sie schon glänzen, die vergoldeten Zwiebeltürme, die bei keinem Gebäude des österreichischen Künstlers Friedensreich Hundertwasser fehlen dürfen.

Grosses Staunen ob des eigenwilligen, geschwungene Linien aufweisenden, farbenfrohen, mit bunten Malereien versehenen architektonischen Wunderwerks, das wir betreten durften. Schon dieser erste Eindruck zeigte, was Hundertwasser mit seinen Architektur-Projekten bewirken wollte, und was auch dem Initianten  und Erbauer der Markthalle am Herzen lag: Einen Kontrast zu schaffen zu einer farblosen Welt und möglichst viele Materialien wieder zu verwerten beim Bauen: Von abgerissenen Bauten stammende Badezimmer-Plättli, Steine und Platten und ein ganzes Sammelsurium an Materialien, wie z.B. Getränkeflaschen als Fenster.

Nicole Stettler-Lindemann, Tochter des Erbauers Herbert Lindemann, empfing uns zu einem Rundgang durch das Gebäude, nachdem wir uns zuerst mit Kaffee und Gipfeli gestärkt hatten. Mit grosser Begeisterung erzählte sie vom Traum ihres Vaters, der nach der Pensionierung etwas „Besonderes“, das für sich steht und die Menschen erfreut, bauen und so den bekannten und berühmten Wiener Künstler Hundertwasser als Architekten für sich gewinnen wollte. Kein einfaches Unterfangen: Erst den Künstler überzeugen, dass er ja sagt, dann die Finanzierung zu sichern, und diese so eigenartige und allen Regeln wiedersprechende Art des Bauens durch alle Ämter durch zu boxen. Es war ein zäher Kampf… aber endlich im Jahre 1998 konnte das Bauwerk begonnen, und 2002 fertig gestellt werden.

Das Erdgeschoss sieht einer Markthalle ähnlich, wären da nicht die vielen Säulen, auch sie ein  Merkmal von Hundertwassers Architektur: Jede Säule bunt, einzigartig, mit Keramik-Platten und Plättli-Fragmenten gestaltet, Träger-Konstruktion und Kunstwerk in einem. Eine Vielzahl von Bildern an den Wänden illustriert seine Freude an Farbe und Form – alles Zeugen seiner übersprudelnden Fantasie.

Im oberen Stock sind die Räume von naturnahen Flächen umgeben, hier und dort wachsen Wildblumen, ein kleiner Baum. Hundertwasser wollte bei all seinen Bauwerken die Natur mit integrieren. Aktuell dienen die unterteilten Räume als Bed und Breakfast oder als Therapie-Räume – denn die Markthalle und das gesamte Gebäude wurden nie wirklich kommerziell genutzt. Auf ihre eigene, originelle Art und Weise hat Nicole Stettler-Lindemann so einen Weg gefunden, dieses prachtvolle Beispiel innovativer und unkonventioneller Architektur durch Besucher-Führungen und Vermietung in Gang zu halten.

Alle Teilnehmerinnen waren froh, nach diesem intensiven Besuch ein paar Schritte laufen und sich zum Mittagessen unter Bäumen im Dörfchen Altenrhein niederlassen zu können. Der Mittagsschmaus mundete vorzüglich. Nach dieser Pause ging es per Bus zurück nach Rorschach, wo die Frauen frei nach Lust und Laune entspannen oder baden konnten – oder sich der Kurzführung von Helena Graf zum Hafenbereich, Kornhaus und zur Altstadt von Rorschach anschlossen. Wer noch mehr Kunst geniessen wollte, begab sich in Richtung Forum Würth, wo schon Skulpturen von Niki de Saint Phalle im Freien um Aufmerksamkeit heischten. Im Innern war eine Auswahl der über die Jahrzehnte von Reinhold Würth, einem deutschen Unternehmer, erworbenen Kunstwerke zu sehen.

Kurz vor 16h trafen sich alle Reisenden wieder beim Bahnhof und machten sich gemeinsam auf die Heimfahrt. Es gab viel zu erzählen untereinander, und so verging die Zeit bis nach Wald wie im Fluge.

Beim Abschied bedankten sich die Teilnehmerinnen bei Esther Honegger und Helena Graf für ihre Vorbereitungsarbeit und die Idee zu dieser  gelungenen  und sehr informativen Reise.

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